Eine unbeugsame Stimme aus dem Osten

   Prof. Dr. Dr. h.c. Hans Joachim Meyer war Politiker, Sprachwissenschaftler und eine der charakterbildenden katholischen Laienpersönlichkeiten Deutschlands. Geboren in der DDR als Sohn eines Apothekers und einer Lehrerin, wuchs er in einem Elternhaus auf, das seine Werte, seine Bildungslaufbahn und seine demonstrative Distanz gegenüber ideologischen Ansprüchen nachhaltig bestimmte.

   Ab 1959 studierte er Anglistik und Geschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin, legte 1964 das Staatsexamen ab, promovierte später und habilitierte sich 1981. Trotz seiner klaren Distanz zur herrschenden Ideologie wurde Meyer Professor für angewandte Sprachwissenschaften.

   Schon zu DDR-Zeiten engagierte sich der Vater von drei Kindern intensiv in der katholischen Kirche. In den 1970er Jahren war er Mitglied der Dresdner Pastoralsynode, später arbeitete er im Ost-Berliner Pastoralrat mit. 

   Im Jahr 1990 ernannte ihn Lothar de Maizière zum Minister für Bildung und Wissenschaft in der letzten DDR-Regierung. Von 1990 bis 2002 wirkte er anschließend als sächsischer Staatsminister für Wissenschaft und Kunst. In dieser Zeit war er in zahlreiche politische Auseinandersetzungen eingebunden und beeinflusste maßgeblich die Neuordnung von Hochschul-, Bildungs- und Kulturpolitik in Sachsen.

   Nach der politischen Wende übernahm er zudem den Vorsitz des „Gemeinsamen Aktionsausschusses katholischer Christen in der DDR“ und wurde 1994 zum Vizepräsidenten des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) gewählt. Von 1997 bis 2009 stand Meyer als erster Ostdeutscher dem Zentralkomitee als Präsident vor. Immer wieder reflektierte er in dieser Funktion seine besondere Rolle und Verantwortung als engagierter Katholik in der DDR. Dabei nahm er politische Weggefährten wie Alfred Bengsch (†), Kurt Biedenkopf (†), Rainer Eppelmann, Egon Krenz, Hans Modrow (†) und Lothar de Maizière in den Blick. 

   Hans Joachim Meyer starb am 29. März 2024 in Potsdam im Alter von 87 Jahren. Mit ihm erlosch eine unbeugsame ostdeutsche Stimme, die Idealismus und Realismus verband und Kirche wie Politik über Jahrzehnte entscheidend mitgestaltet hat.

 

Hans Joachim Meyer: Ostdeutscher Wegbereite
edition winterwork, Borsdorf | 2024 | 
112 S. | ISBN 978-3-98913-097-5 | 9,90 € |

 

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Erinnerungen eines Stasi-Offiziers der DDR 

   Anlässlich des 75. Jahrestags des Ministeriums für Staatssicherheit (1950–2025) legt Günter Gräßler, ehemaliger Referatsleiter des Auslandsnachrichtendienstes Hauptverwaltung A, in einem Gespräch mit Oliver Dürkop eindrucksvoll Einblicke in seine langjährige operative Tätigkeit offen. Gräßler berichtet detailliert von der Entwicklung und Führung einer neuen Generation von Kundschaftern der Militäraufklärung im Westen, von harten Lehrjahren, ersten Erfolgen, Rückschlägen und den vielfältigen Herausforderungen seines Dienstes. Besonders hebt er die zentrale Bedeutung von Loyalität und Vertrauen hervor, die sein Handeln maßgeblich prägten.

   Offen spricht er über persönliche Hoffnungen und Enttäuschungen sowie über die strafrechtliche Verfolgung, die ihn und seine Mitstreiter nach der Wende durch Verrat traf.

   Gräßler blieb bis zur endgültigen Auflösung des MfS im Jahr 1990 im Dienst. Er gehörte zu den letzten 250 verbliebenen Mitarbeitern der Aufklärung und war bis Juni 1990 im Staatlichen Komitee zur Auflösung des Amtes für Nationale Sicherheit tätig. Dort trug er die Verantwortung für die Vernichtung der operativen Akten der HV A.

   James Bond und die HV A scheinen ebenso wenig zusammenzupassen wie die 007-Filme und die reale Arbeit von Nachrichtendiensten in Ost und West. Und doch gab es ihn: den „Doppelnullagenten Nummer 7“ im DDR-Auslandsnachrichtendienst – Günter Gräßler.

   Ohne Pathos, bisweilen mit Selbstironie, schildert er seinen Weg in die Hauptverwaltung Aufklärung, die umsichtige Führung bedeutender Quellen in der Bundesrepublik sowie menschlich bewegende Begegnungen. Sein selbstreflektiertes, unverblümtes Resümee gewährt eindrucksvolle Einblicke in die Erfahrungen eines Führungsoffiziers der HV A und spannt den Bogen von den Aufgaben im Kalten Krieg bis zu den gesellschaftlichen Widersprüchen der Gegenwart.

 

Günter Gräßler: Militäraufklärer der DDR |
edition winterwork, Borsdorf | 2025 |
188 S. | ISBN  978-3-98913-192-7 | 9,90 € |

 

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